"Herkunft, Faserfeinheit, Verarbeitung. Was sich zwischen mongolischem und chinesischem Kaschmir ändert und warum die Herkunft Qualität und Preis bestimmt."
Auf dem Etikett eines Kaschmirschals liest man oft „100 % Kaschmir" und sonst nichts. Doch Kaschmir ist nicht gleich Kaschmir: Seine geografische Herkunft – Innere Mongolei, Äußere Mongolei, China – und das Segment des Unterhaars, aus dem er gewonnen wird, verändern die Qualität des Endprodukts erheblich. Den Unterschied zu verstehen hilft zu beurteilen, ob ein Kaschmir seinen Preis wert ist.
Woher Kaschmir kommt. Die Faser stammt aus dem Unterhaar der Kaschmirziege, die in Regionen mit extremen Temperaturschwankungen lebt (zwischen -30 und +30 Grad im Jahresverlauf). Die drei großen Produktionsbecken weltweit sind die Äußere Mongolei (Republik Mongolei), die Innere Mongolei (autonome Region Chinas, weltweit größter Produzent) und weitere chinesische Provinzen wie Gansu, Qinghai und Xinjiang. Jede Region erzeugt einen Kaschmir mit leicht unterschiedlichen Eigenschaften.
Mongolischer Kaschmir. Die Äußere Mongolei hat die strengsten Winter, und die Ziegen Mongol Bayanchandman und Zalaa Jinst entwickeln ein besonders dichtes und feines Unterhaar. Die hier geernteten Fasern haben in der Regel einen Durchmesser zwischen 14 und 15,5 Mikron, eine Länge von 36 bis 40 Millimetern und einen sehr hohen Anteil an reinem Unterhaar (über 90 %). Es ist der Kaschmir, der als „Champagner" der Branche gilt: federleicht, außergewöhnlich warm, mit einer Weichheit, die Dutzende Wäschen übersteht.
Kaschmir aus der Inneren Mongolei. Auch hier liefern Alashan- und Erdos-Ziegen Kaschmir der Spitzenklasse, mit einem Mikronage, das dem mongolischen vergleichbar ist. Der Unterschied liegt weniger in der Faser als in der Lieferkette: Die Innere Mongolei ist auf große Kooperativen und fortgeschrittene industrielle Verfahren ausgerichtet, während die Äußere Mongolei eine handwerklichere Ernte mit manueller Kämmung bewahrt.
Kaschmir aus anderen chinesischen Provinzen. Die Ziegen aus den südlicheren Gebieten Chinas – Gansu, Qinghai – erleben weniger strenge Winter. Sie produzieren dennoch Kaschmir, jedoch mit etwas dickeren (16–18 Mikron) und kürzeren Fasern. Gut verwoben bleibt das ein akzeptabler Kaschmir, aber genau diese Kategorie verbergen viele allgemeine „100 % Kaschmir"-Etiketten: eine ordentliche, nicht jedoch außergewöhnliche Faser.
Wie man sie erkennt. Beim Tasten ist mongolischer oder innermongolischer Kaschmir spürbar weicher und wärmer in den Händen. Mit dem Auge zeigt er einen matten, fast seidigen Glanz, während gröbere Kaschmirsorten „wolliger" wirken, näher an der Merinowolle. Beim Waschen tritt der Unterschied mit der Zeit hervor: Ein feiner Kaschmir bleibt nach Dutzenden Zyklen weich, ein mittlerer bis niedriger Kaschmir beginnt nach fünf oder sechs Wäschen zu verfilzen und zu pillen.
Warum die Herkunft den Preis beeinflusst. Ein Schal aus mongolischem oder innermongolischem Kaschmir beginnt üblicherweise bei 150–200 Euro für Einstiegsstücke und übersteigt 400–500 Euro bei Modellen der großen Häuser. Ein generischer chinesischer Kaschmir mit niedrigem Mikronage kann den Endkunden 60–80 Euro kosten. Wenn ein „100 % Kaschmir"-Schal unter 50 Euro angeboten wird, kommt die Faser fast sicher aus dem günstigsten Segment der Lieferkette.
Die Wahl von SILKinCOM. Für unsere Kollektionen Bellagio, Cernobbio und Varenna verwenden wir ausschließlich ausgewählten Kaschmir aus der Inneren und Äußeren Mongolei mit einem Mikronage unter 15,5 Mikron. Es ist die Faser, die unser Positioning rechtfertigt und die, auf den Webstühlen von Como verarbeitet, dem Endprodukt jene Weichheit verleiht, die man nicht vergisst.




